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Lieblingslösungen einer TA

  • timer  8 Minuten Lesedauer
  • 09. Oktober 2020
  • Geschrieben von Michèle Heidemeyer
  • Life Science

Haben Sie eine Lieblingslösung? Also irgendeinen Puffer oder eine Lösung, die Sie wirklich gern herstellen – oder die Sie eventuell sogar besonders gut und präzise ansetzen?

Meine absolute Nummer eins der besten Ansätze im Labor ist die 0.5 M EDTA-Lösung mit pH 8.0. Das klingt zu Beginn jetzt nicht sehr herausragend und kreativ – vor allem, weil diese Lösung zu den absoluten Standard-Mixturen im Labor zählt. Jedoch ist die Herstellung bei Weitem nicht so simpel, wie viele im ersten Moment erwarten.

Ich erinnere mich beispielsweise gern an meine Kollegin „Mrs. Perfect“ und ihren Versuch, 0.5 M EDTA pH 8.0 herzustellen: Ganze acht Stunden hat es am Ende gedauert! Obwohl die Lösung auch nach dieser Zeit noch nicht fertig war und wer weiss, wie lange der arme, wahrscheinlich erschöpfte Magnetrührer noch weiter hätte rühren müssen?

Während der gesamten Prozedur kam „Mrs. Perfect“ nie die Idee, mal bei einer Kollegin nachzufragen, warum sich diese blöde Substanz so gar nicht lösen wollte. Vielleicht hätte der Magnetrührer irgendwann gestreikt, wenn ich nicht nachgefragt hätte, wie lange Mrs. ihn denn noch für ihre Lösung beanspruchen wolle? Sie meinte verlegen, dass sie jetzt schon kurz davor sei, die Flüssigkeit zu kochen, aber dieses doofe Salz wolle sich einfach nicht lösen!

Erstaunt stellte ich fest, dass ich kleine Labormaus Mrs. Perfect doch noch etwas erklären konnte, das sie offensichtlich noch nicht wusste. Ich erwähnte also voller Stolz, dass EDTA nicht mit Wärme zu einem Übergang in die Lösung zu überreden sei, sondern vielmehr über die Zugabe der richtigen Lauge (NaOH).

EDTA ist nun mal eine selbstbewusste Substanz, die sich nur mit viel Geduld und der richtigen Menge NaOH zu einer Lösung verarbeiten lässt. Hier nochmal für alle Mrs. Perfects zum Nachschlagen:

0.5M EDTA pH 8.0

  • 186.1 g EDTA (x2H2O) abwiegen
  • 800 ml MQH2O dazugeben
  • circa 18-20 g NaOH-Plätzchen dazugeben, um den pH-Wert zu justieren
  • auf 1 l auffüllen

Auf meinem geheimen Treppchen der beliebten Laborflüssigkeiten auf Platz 2 steht die 4%-ige PFA-Lösung. Ebenso wie EDTA reagiert PFA sehr sensibel auf pH-Änderungen, jedoch ist PFA noch gemächlicher als EDTA. Während man EDTA relativ schnell zubereiten kann, verlangt PFA tatsächlich viel Geduld und Hingabe. Hierzu eine kleine Anekdote von „Herrn Schnell Schnell“. Am Morgen sollte ein grosses Experiment starten, welches wir seit Monaten geplant hatten. Leider hatte „Herr Schnell Schnell“ am Abend vorher das Labor zügig verlassen und in der Hektik vergessen, das PFA für den Folgetag vorzubereiten. Nun stand er also vor unserem Magnetrührer und versuchte sich darin, die Prozedur zu beschleunigen – es war abzusehen, dass dies schiefgehen würde. „Herr Schnell Schnell“ hatte die glorreiche Idee, die Lösung einfach direkt aufzukochen. Während das PFA also vor sich hin köchelte und dem Abzug jede Menge Arbeit machte, erkannte ich meine Chance und bot „Herrn Schnell Schnell“ an, sich an meiner frischen PFA-Lösung vom Vortag zu bedienen. Vorausgesetzt, er würde sich meine Erklärung, weshalb man eine PFA-Lösung nicht über 70°C erhitzen darf, anhören. Also begann ich meine Erläuterung:

„Wenn du das Ganze erhitzt, dann zersetzt sich das Paraformaldehyd und es entsteht Formaldehyd (dieses ist gasförmig). Das Formaldehyd geht in das Wasser (in PBS) in Lösung. In dieser Form nennt man es Formalin-Lösung. Das entstehende Formaldehyd hat einen Siedepunkt von -19°C. Wenn das Ganze also über 70°C erhitzt wird, treibt man das entstandene Formaldehyd aus der Formalin-Lösung aus. Aus diesem Grund stimmt die Konzentration der Lösung nicht mehr, wenn man zu stark erhitzt oder kocht. Vor allem unter dem Mikroskop kann es dann zu optischen Veränderungen kommen, wenn man eine geringere Konzentration einsetzt.“

Seit diesem Vorfall übt sich selbst „Herr Schnell Schnell“ bei der Zubereitung in Geduld und erwärmt langsam.



4% PFA-Lösung zur Fixierung von Geweben

  • 800 ml of 1X PBS auf 60°C erhitzen
  • 40 g PFA hinzufügen (unter dem Laborabzug)
  • Erhöhen Sie den pH-Wert langsam, indem Sie 1 N NaOH tropfenweise aus einer Pipette zugeben, bis die Lösung klar wird
  • Die Lösung abkühlen lassen
  • Das Volumen der Lösung auf 1 l mit 1X PBS auffüllen
  • Die Lösung filtern
  • Überprüfen Sie den pH-Wert (Sollwert = 6.9), falls nötig mit kleinen Mengen verdünnter HCl korrigieren

 

Die Bronzemedaille meiner favorisierten Flüssigkeiten geht an die 10-fach konzentrierte phosphatgepufferte Kochsalzlösung, kurz PBS. An sich ist diese Lösung sehr simpel herzustellen. Je präziser man einwiegt, umso genauer wird die Lösung. Perfektioniert man die Einwaage, so ist ein anschliessendes Anpassen des pH-Wertes nicht mal mehr nötig.

Obwohl es also scheinbar keinerlei Probleme bei der Herstellung geben könnte, habe ich auch hier eine lustige Geschichte aus dem Labor zu teilen. Unser Lehrling „Grünschnabel“ versuchte sich mehrfach an 10x PBS und scheiterte jedes Mal phänomenal am pH-Wert. Aus irgendeinem Grund erhielt er immer einen pH-Wert von 3.5! Bei einer physiologischen Lösung wäre jedoch ein Wert von 7.4 wünschenswert. Nachdem 3.5 nun unfassbar weit vom Ziel entfernt ist, nahm ich mich „Grünschnabel“ an und schaute ihm konzentriert bei der Zubereitung über die Schulter. Er war wirklich sehr gründlich und wog jede Substanz absolut präzise ein. Er war so genau, dass ich fürchtete, ich würde keinen Fehler bei der Fertigstellung finden. Da bemerkte ich plötzlich, dass „Grünschnabel“ nicht falsch einwog, sondern falsch Zugriff! Er nahm statt der Na2HPO4 die NaH2PO4. Dadurch ging dann anschliessend alles schief! Seither stehen auf all unseren Rezepten nicht nur die Reagenzien, sondern auch ein Vermerk über deren Molmasse. Na2HPO4 x 2H2O mit 177,99 g/mol hat nämlich eine eindeutig andere Molmasse als NaH2PO4 x 2 H2O mit 156,01 g/mol.

10x PBS

  • 2 g KCl
  • 2 g KH2PO4
  • 80 g NaCl
  • 14 g Na2HPO4 x 2H2O
  • 800 ml MQH2O dazugeben
  • Überprüfen Sie den pH-Wert (Sollwert = 7.4)
  • Auf 1 l auffüllen

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