Axonlab - Social Responsibility – Unser Service-Techniker in Lambaréné
Einkaufen
Kundenportal
Suchen

Social Responsibility – Unser Service-Techniker in Lambaréné

  • timer  11.5 Minuten Lesedauer
  • 03. Dezember 2020
  • Geschrieben von Axon Lab AG
  • Unternehmen

Pünktlich zur Vorweihnachtszeit möchten wir Ihnen einen Blick hinter unsere "Social Responsibility"-Kulisse geben. Unser Service-Techniker Markus Häuselmann erzählt von seinen Einsätzen für die Albert-Schweitzer-Stiftung.

 

Wie kam Axonlab zum Projekt im Albert-Schweitzer-Hospital in Gabun, Afrika?

Axonlab wurde vor 20 Jahren für Laborgeräte angefragt. Unserem Geschäftsinhaber, Roland Steger, war dabei besonders wichtig, dass dieses Projekt einen nachhaltigen Charakter hat und die Geräte jährlich ihre Wartungen erhalten. Dazu gehört auch, dass das Personal vor Ort gut geschult wird und ihnen unsere technische Helpline in der Schweiz zur Verfügung steht. Zum Projekt gehört nicht nur das Albert-Schweitzer-Hospital an sich, sondern auch damit verbundene Forschungseinrichtungen und eine Aussenstelle in Fougamou. Für diese Standorte werden zusammen mit der Institution nur die robustesten und tropentauglichsten Geräte ausgewählt.

Markus, wie kam es dazu, dass gerade du nach Lambaréné gehen darfst?

An einem Techniker-Meeting habe ich erfahren, dass jedes Jahr ein Techniker nach Lambaréné reist, um dort die Geräte im Albert-Schweitzer-Hospital zu warten und zu reparieren.

Ich hatte den Namen Albert Schweitzer schon gehört, aber wo Gabun oder Lambaréné überhaupt liegt, hatte ich keine Ahnung.

Da ich sehr gerne reise und kurz vorher das erste Mal in Kenia war, sagte ich dem technischen Leiter: „Falls Sie mal noch jemanden suchen würden, würde ich das sehr gerne machen.“ Kurze Zeit später wurde diese Stelle tatsächlich frei und so wurde ich angefragt. Seit zehn Jahren bin ich nun jedes Jahr etwa eine Woche dort und freue mich jedes Mal auf den Einsatz.

Wie lange dauert die Reise für dich?

Nach Gabun fliegt man am besten mit Air France über Paris nach Libreville. Das sind etwa zwölf Stunden Reisezeit. Dann übernachte ich in einem Hotel in Libreville und am nächsten Tag geht die Reise mit einer sechs-stündigen Autofahrt weiter nach Lambaréné. Die Strasse ist in einem extrem schlechten Zustand. Man sagte mir, dass im Jahr 2009 ein Budget für die Ausbesserung bereitgestellt wurde, doch dieses Geld ist irgendwo „verschwunden“ und die Strasse wird jedes Jahr schlechter und schlechter. Die schlimmsten Löcher werden manchmal mit Schotter aufgefüllt, doch das hält nie lange. Man ist normalerweise mit einem „Langstrecken-Taxi“ unterwegs, das sind meistens Toyota Kombis mit sieben Sitzplätzen. Die Fahrzeuge, die in Europa ausgedient haben, erhalten dann meistens in Afrika ihr zweites Leben. Ab ca. 250‘000 Km und das dann ohne Ende. Die Klimaanlage funktioniert nur afrikanisch, also mit offenen Fenstern. Einmal hatte ich ein „Taxi“, bei dem der Kofferraum total durchgerostet war und die Abgase konnten ins Wageninnere gelangen. Man konnte es nur aushalten, wenn man den Kopf komplett aus dem Fenster hielt. Meistens hat man in solch extremen Momenten keine Alternative für ein anderes Fahrzeug.

Für ein Jahr hatte eine Flussbrücke auf der Verbindungsstrasse nach Lambaréné gefehlt, weil sie eingestürzt ist. Da dies die einzige Strasse ist, mussten alle Fahrzeuge auf kleine Fähren verladen werden, um den Fluss zu überqueren. Damals hatte die Autofahrt sogar zwölf Stunden gedauert. In genau diesem Jahr wurde ich von unserem Projektleiter Sylvain Gond aus der Westschweiz begleitet. Er hat dieses Projekt unter seiner Aufsicht und wollte sich persönlich vor Ort ein Bild machen. Trotz der langen Anreise hat er vor Ort tatkräftig angepackt und mich bei den Servicearbeiten unterstützt. Das hat mich sehr beeindruckt.

Was war das lustigste Erlebnis in Afrika?

Ich betreue neben Lambaréné auch die Aussenstelle im etwa 120km entfernten Fougamou. Dort ist alles viel rustikaler und in den Restaurants erhält man meistens nur das, was den Leuten so bei der Jagd in die Hände fällt. Ich sass dort in einem einfachen Lokal, wo die Speisekarte auf einer Tafel an der einen Wand aufgehängt wurde und auf der Wand gegenüber hing eine Tafel mit den geschützten Tieren aus der Region. Beim näheren Betrachten musste ich feststellen, dass die beiden Tafeln praktisch identisch waren und die geschützten Tiere an dem Tag Teil des Menus waren. Da ich das doch sehr eigenartig fand, habe ich die Besitzerin angesprochen und wir mussten beide darüber lachen.

Wie erlebst du die Menschen und das Umfeld dort und wie wirst du als Europäer aufgenommen?

Die Leute sind alle sehr freundlich. Wichtig ist, dass man ihre Regeln befolgt und z.B. vorher fragt, bevor man ein Foto macht. Wenn man jemanden zu Hause besuchen möchte, ruft man draussen laut „Tock Tock“. Das ersetzt die fehlende Klingel.

Da man dort nur Französisch oder Stammesdialekte spricht, ist vor allem die Sprache eine Herausforderung. Mit meinem Schulfranzösisch ist es zwar etwas lange her, aber mit der Zeit kommt man wieder gut mit. So konnte ich auch viele neue Freunde gewinnen. Zwei davon haben mich bereits in der Schweiz besucht. Ich habe mir dann jeweils ein paar Tage frei genommen und Ausflüge mit ihnen gemacht. Das Highlight ist immer die Gletscherhöhle des Rhonegletschers, wo sie durchs Eis laufen können und alles hellblau in der Sonne leuchtet.

Was sind Herausforderungen bei deinen Einsätzen?

Herausfordernd ist, dass man im Vorfeld nie so genau weiss, was man antrifft. Bei manchen Reparaturen ist Geduld und gutes Improvisieren gefragt und natürlich die richtigen Ersatzteile. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ergeben sich dort ganz andere Reparaturen als in der Schweiz. Ausserdem gibt es sehr häufig Stromausfälle.

Was ich speziell gelernt habe, ist, dass wenn es nicht weitergeht und hoffnungslos aussieht, man einfach einmal warten muss. Gewisse Situationen lösen sich manchmal wie von selbst oder ein neuer Weg öffnet sich.

Wie erlebst du den Unterschied, was die Hygiene-Bedingungen betrifft im Vergleich zur Schweiz?

Die Menschen dort machen es recht gut. Das Albert-Schweitzer-Hospital hat sogar eine eigene autarke Anlage zur Trinkwasseraufbereitung. Wenn etwas Geld da ist, sind die wichtigsten Bedingungen schon erfüllt. Schwierig wird es natürlich, wenn das Spital sich in einem finanziellen Engpass befindet, dann wird so gut wie möglich improvisiert.

Gab es auch traurige Erlebnisse, vielleicht auch eklige?

Da halt alles „Essbare“ gejagt und am Strassenrand zum Verkauf angeboten wird, tun einem manche Tiere wirklich leid. Am fragwürdigsten zu „Essen“ waren für mich immer die geräucherten Fledermäuse am Spiess oder Tiere, die schon so lange in der Sonne lagen, dass sie so voller Gase waren, dass sie jeden Moment explodieren könnten.

Traurig zu sehen sind auch die unzähligen Lastwagen, welche vollbeladen mit riesigen Baumstämmen zum Hafen nach Lambaréné fahren, wo die grossen Schiffe schon auf sie warten. In meinen ersten Jahren konnte man noch einige Urwaldriesen in der Umgebung von Lambaréné finden, doch heute muss man schon einiges weiterfahren. Man denkt immer, wenn sie so weitermachen, wird der Wald bald komplett verschwunden sein.

Freust du dich jedes Jahr wieder, hinfliegen zu können?

Ja, ich gehe sehr gerne wieder nach Lambaréné um all die vielen Freunde wieder zu sehen. Ich nehme mir auch jedes Mal noch eine Woche im Anschluss Ferien. Das Land ist sehr schön und touristisch noch nicht sehr erschlossen. Sie haben alle möglichen Tiere, die man auf einer Safari finden kann – und auch schöne Palmenstrände.

Stimmt es, dass die Menschen, auch wenn sie nicht viel haben, viel lebensfroher und ausgeglichener sind als wir beispielsweise?

Die Afrikaner machen immer das Beste aus ihrer Situation. Viele haben auch keinen Vergleich, was ihnen fehlen könnte, da ihre finanzielle Situation oft keine grossen Reisen ermöglicht. Für sie ist vor allem die Familie am wichtigsten und sie feiern gerne mit Freunden. Sie sind wahre Meister im Improvisieren und davon können wir noch einiges von ihnen lernen.

Hat sich schon mal ein Wildtier ins Hospital verirrt?

Die Wildtiere sind in der Regel sehr scheu und verirren sich nicht in die Nähe von Menschen. Die Gefahr wäre sehr gross, dass sie dann im Kochtopf landen.

Beliebte Beiträge