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Bedeutende Wissenschaftlerinnen: Ein Rück- und Einblick in die Erfindungen von Frauen der heutigen MedTech-Branche

  • 9 Minuten Lesedauer
  • Geschrieben von Axonlab
  • Unternehmen

Marie Curie ist wohl einer Vielzahl von Menschen ein Begriff. Sie erhielt für die Entdeckung der chemischen Elemente Polonium und Radium zusammen mit ihrem Mann Pierre Curie den Nobelpreis für Physik und Chemie. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass durchaus vielen weiteren Frauen eine bedeutende Rolle in der Forschung und der Wissenschaft zukam. Bloss sind sie nicht alle so bekannt wie Marie Curie. Das wollen wir ändern und rücken anlässlich des internationalen Frauentags drei von ihnen ins Scheinwerferlicht.


Fanny Angelina Hesse (1850 - 1934): Die Frau, die Mikrobiologie ermöglichte


Collage by Fruzsina Eördögh; Petri dish image © M J Richardson (CC BY-SA 2.0

Die Tochter eines Deutsch-Amerikaners und einer Schweizerin ist die Erfinderin der bahnbrechenden Nutzung von Agar-Agar als Geliermittel von Bakterienkulturmedien. Es folgt eine kurze Geschichte, wie durch Gespräche beim Mittagessen und durch interkulturellen Austausch Zukunft geschrieben wird.

1882 entdeckt der deutsche Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch den Erreger der Tuberkulose. Was ihm jedoch fehlt, ist der richtige Nährboden, um die Bakterien zu isolieren, zu identifizieren und zu klassifizieren. Versuche mit Fleischbrühe oder mit dünnen Kartoffelscheiben scheitern. Entweder schmelzen die Bakterien bei hohen Temperaturen oder es bilden sich Enzyme, welche die Gelatine spalten.

Walther Hesse ist von 1881 bis 1882 im Labor von Robert Koch tätig, kehrt nach einem halben Jahr in Berlin jedoch in sein eigenes kleines Labor zurück. Seine Frau Fanny ist im familieneigenen Labor als Laborantin und Zeichnerin tätig. Eines Tages spricht Walther Hesse beim Mittagessen mit seiner Frau über das Problem mit dem fehlenden Nährboden. Während des Gesprächs kommen die beiden auf Fannys Pudding zu sprechen, der auch bei warmen Aussentemperaturen festbleibt. Grund dafür ist das Algenprodukt Agar-Agar, das für die Herstellung des Puddings verwendet wird. Fanny, die in New York aufgewachsen war, lernte dort die Verwendung von Agar-Agar von einer holländischen Nachbarin kennen. In Indonesien, woher die Nachbarin ausgewandert war, war es üblich, Agar-Agar in der Küche zu verwenden. Fanny schlägt vor, das Geliermittel aus Java auch im Labor auszuprobieren.

Walther Hesse setzt Robert Koch umgehend von der Entdeckung seiner Frau in Kenntnis. Wie es sich herausstellt, erweist sich Agar-Agar als ideales Geliermittel, das auch bei höheren Temperaturen im Inkubator festbleibt und von keinem bakteriellen Enzym verdaut werden kann.

Fortan wird Agar-Agar zur Kultivierung der Tuberkulose verursachenden Bakterien im Labor von Robert Koch verwendet. In einer Veröffentlichung über die Tuberkulosebakterien im Jahr 1882 erwähnt Robert Koch zwar die Verwendung von Agar-Agar anstelle von Gelatine, die Ideengeberin Fanny Hesse oder ihr Mann werden jedoch nicht genannt. Fanny und Walther Hesse wurden für die Entdeckung nie monetär belohnt und auch in der wissenschaftlichen Literatur nicht erwähnt.

Rosalind Franklin (1920 - 1958): Die Entdeckung der DNA-Struktur


Bild Rosalind Franklin (1955) © CC/MRC Laboratory of Molecular Biology

Die britische Forscherin entdeckte, dass die DNA eine Form einer Doppelhelix hat. Der Nobelpreis für Medizin für diese Entdeckung ging jedoch nicht an die in London geborene Biochemikerin, sondern an die beiden Molekularbiologen Francis Crick und James Watson.

1950 ist die Entschlüsselung der DNA-Struktur in der Welt der Wissenschaft DAS vorherrschende Thema. In verschiedenen Laboren wird intensiv daran geforscht. Rosalind Franklin vertieft sich am Londoner King’s College in die Untersuchung einer DNA-Probe mithilfe von Röntgenstrahlung. Dabei findet sie heraus, dass es von DNA-Molekülen zwei Formen mit unterschiedlichem Wassergehalt gibt und es gelingt ihr, von beiden Formen hochwertiges Bildmaterial zu erstellen. Aufgrund dieser Bilder entdeckt sie, dass die DNA die Form einer Helix hat.

Zwei jungen Männern, die an der Universität Cambridge im selben Bereich wie Franklin forschen, gelingt es, an unveröffentlichte Unterlagen von ihr zu gelangen und die Forschungserkenntnisse ohne Franklins Erlaubnis zu nutzen. Die beiden Wissenschaftler – James Watson und Francis Crick – ziehen die richtigen Schlüsse aus der Arbeit von Rosalind Franklin. Nachdem Rosalind Franklin von den beiden Männern hintergangen wird, verlässt sie swohl das King’s College wie auch die DNA-Forschung und forscht fortan am Londoner Birbeck College unter anderem am lebenden Poliovirus.

Dass Watson und Crick 1962 für die Entdeckung der DNA-Struktur den Nobelpreis für Medizin erhalten, bekommt Rosalind Franklin nicht mehr mit. Sie verstirbt 1958 im Alter von 37 Jahren nach jahrelanger Arbeit mit Röntgenstrahlen an Krebs. In Nachrufen wird sie als eine „Vertreterin einer erlesenen Reihe von Pionieren, die die Struktur der Nukleoproteine in Bezug auf Virenkrankheiten und die Genetik beleuchteten“ genannt.

Gertrude Belle Elion (1918 - 1999): Die Pionierin der Chemotherapie


Bild Gertrude Elion's graduation photo from Hunter College, 1937 (credit unknown)

Als ihr Grossvater an Magenkrebs stirbt, beschliesst die damals 15-jährige Amerikanerin Gertrude Belle Elion, Wissenschaftlerin zu werden und ein Mittel gegen Krebs zu finden.

Sie studiert als einzige Frau ihres Semesters an der New York University (NYU) Chemie. Nach Abschluss des Studiums ist sie mit den vorherrschenden Vorurteilen gegenüber Frauen in der Wissenschaft konfrontiert und findet vorerst den gewünschten Berufseinstieg nicht. Sie arbeitet vorläufig als Lehrerin und in der Lebensmittelbranche: „Niemand nahm mich ernst. Alle fragten, warum ich Chemikerin sein wollte, wenn doch sonst keine Frau das wollte. Die Welt wartete nicht auf mich.“ Durch den Arbeitskräftemangel im Zweiten Weltkrieg findet sie schlussendlich den Einstieg in die Wissenschaft und beginnt 1944 als Laborassistentin des Biochemikers George H. Hitchings im Pharmaunternehmens Burroughs Wellcome. Sie wird 39 Jahre lang für das heute als GlaxoSmithKline bekannte Unternehmen arbeiten.

Gemeinsam mit Hitchings schreibt Gertrude Belle Elion Medizingeschichte. Sie entwickeln zum Beispiel das erste Immunsuppresivum, wodurch Organtransplantationen möglich werden. Und die Entschlossenheit, ein Mittel gegen Krebs zu finden, die Gertrude Belle Elion einst zu ihrer Laufbahn angespornt hatte, zahlt sich aus: Gemeinsam mit Hitchings entwickelt sie das erste Medikament zur Behandlung von Leukämie.

Im Jahr 1988 erhalten beide den Nobelpreis für Medizin. Heute gilt Gertrude Belle Elion als eine der bedeutendsten Arzneimittelforscherinnen des 20. Jahrhunderts.

 

 

 

Quellen:
- Thiele Susanne (2016): Fannys Rezept - ein Hit für die Mikrobiologie, Onlineportal Mikrobenzirkus, https://mikrobenzirkus.com/2016/02/07/fannys-rezept-ein-hit-fuer-die-mikrobiologie/ [02.03.2023]
- Ricarda Opis (unknown): Rosalind Franklin: Die Mutter der DNA, Onlineportal Welt der Frauen, https://www.welt-der-frauen.at/rosalind-franklin/ [02.03.2023]
- Solvejg Hoffmann (unknown): Zehn Wissenschaftlerinnen, die Sie neben Marie Curie kennen sollten, Onlineportal GEO, https://www.geo.de/wissen/21043-rtkl-weltfrauentag-zehn-wissenschaftlerinnen-die-sie-neben-marie-curie-kennen-sollten [02.03.2023]
- Swantje Koch–Kanz (unknown): Biografie Rosalind Elsie Franklin, Onlineportal Fembio, https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/rosalind-franklin/ [02.03.2023]
- Various (2004): Rosalind Franklin, Onlineportal Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Rosalind_Franklin [02.03.2023]
- Dr. Jan Björn Potthast (unknown): Rosalind Franklin, Online Portal Deutsches Patent- und Markenamt, https://www.dpma.de/dpma/veroeffentlichungen/aktuelles/patentefrauen/patentefrauen/rosalindfranklin/index.html [02.03.2023]
- Karin Müller (unknown): Biografie Getrude B. Elion, Onlineportal Fembio, https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/gertrude-b.-elion/ [02.03.2023]

 

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