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Diagnostik und Monitoring mit hs-Troponin, D-Dimer und NT-proBNP

  • 11.5 Minuten Lesedauer
  • Geschrieben von Axonlab
  • Arztpraxis

In der modernen Medizin ist eine schnelle und präzise Diagnostik essenziell, um Patientinnen und Patienten optimal zu versorgen. Biomarker wie Troponin, D-Dimer und NT-proBNP spielen dabei eine zentrale Rolle. In diesem Beitrag geben wir einen detaillierten Einblick in die Funktionsweise und Bedeutung dieser Marker. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Freisetzung von Troponin, die möglichen Ursachen erhöhter Werte sowie aktuelle Leitlinien und diagnostische Geräte, die eine fundierte Entscheidungsfindung unterstützen.

Troponin

Freisetzung und Ursachen erhöhter Werte

Troponin ist ein Protein, das in allen quergestreiften Muskelzellen vorkommt. Kardiales Troponin, bestehend aus den Untereinheiten Troponin T und Troponin I, ist spezifisch im Herzmuskel vorhanden und strukturell von dem der Skelettmuskulatur unterscheidbar. Eine Freisetzung ins Blut erfolgt bei Schädigung oder Zerstörung von Herzmuskelzellen. Erhöhte kardiale Troponinwerte sind daher ein hochspezifischer Hinweis auf einen Myokardschaden, wobei verschiedene Ursachen infrage kommen:

1. Akuter Myokardinfarkt (AMI)

  • Mechanismus: Eine akute Durchblutungsstörung, meist durch einen thrombotischen Verschluss einer Koronararterie, führt zur Ischämie, zum Zelltod und damit zur Freisetzung von Troponin.
  • Charakteristika: Rascher Anstieg mit signifikanter Dynamik, der mit diagnostischen Geräten, die den 0/1-Stunden-Algorithmus unterstützen, zuverlässig erkannt oder ausgeschlossen werden kann.

2. Herzinsuffizienz

  • Mechanismus: Chronische Druck- oder Volumenüberlastung kann zu einer schleichenden Schädigung der Herzmuskelzellen führen.
  • Charakteristika: Moderat erhöhte, persistierende Troponinwerte ohne ausgeprägte Dynamik.

3. Myokarditis

  • Mechanismus: Entzündungen des Herzmuskels durch virale, bakterielle oder autoimmune Ursachen führen zu Zellschäden und Troponinfreisetzung.
  • Charakteristika: Variable Troponinwerte, häufig begleitet von Symptomen wie Brustschmerzen und Fieber.

4. Niereninsuffizienz

  • Mechanismus: Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann dazu führen, dass Troponin nicht mehr ausreichend aus dem Blut entfernt wird, wodurch sich der Wert erhöht – selbst ohne akuten Herzschaden.
  • Charakteristika: Chronisch erhöhte Werte ohne signifikante Dynamik.

5. Weitere Ursachen

  • Hypertensive Krise: Plötzliche Blutdruckspitzen belasten die Herzmuskulatur.
  • Sepsis: Systemische Entzündungsreaktionen können den Herzmuskel schädigen.
  • Trauma oder chirurgische Eingriffe: Direkte oder indirekte Herzverletzungen führen zur Freisetzung von Troponin.

Diagnostische Algorithmen und Leitlinien

Der schnelle und sichere Ausschluss eines AMI (das sogenannte „rule-out“) sowie der schnelle und sichere Einschluss (das sogenannte „rule-in“) von Patientinnen und Patienten stellt für ärztliches Fachpersonal nach wie vor eine entscheidende Herausforderung dar. Das Elektrokardiogramm (EKG), die kardialen Troponine sowie die klinische Präsentation der zu behandelnden Person bilden die drei diagnostischen Grundpfeiler. Während das EKG das diagnostische Instrument der Wahl für die Erkennung eines ST-Hebungsinfarktes (STEMI) ist, spielen die Troponine die entscheidende Rolle für die Diagnose eines Nicht-ST-Hebungsinfarktes (NSTEMI). Durch die Einführung von sogenannten hoch-sensitiven Troponin-Assays wurde die Detektion sehr niedriger Troponin-Konzentrationen im Blut ermöglicht, was zu einer Zunahme der diagnostischen Genauigkeit führte. Der Einsatz und Nutzen dieser neuartigen Assays wurden in der jüngeren Vergangenheit in zahlreichen internationalen Studien untersucht. Ein wesentliches Interesse lag hierbei auf der Entwicklung von Algorithmen zum schnellen und sicheren Ausschluss eines AMI.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) empfiehlt den 0/1-Stunden-Algorithmus zur schnellen und sicheren Diagnosestellung. Dabei wird das kardiale Troponin zunächst bei Aufnahme der Betroffenen (0h) gemessen und nach einer Stunde (1h) erneut bestimmt, falls der erste Wert keinen eindeutigen Ausschluss oder Nachweis eines akuten Myokardinfarkts (AMI) erlaubt. Die Beurteilung der Troponin-Dynamik ermöglicht eine rasche Diagnosestellung oder erfordert gegebenenfalls weitere Differenzialdiagnostik.

Der folgende Algorithmus zeigt den 0/1h-Ansatz am Beispiel des Triage® MeterPro:


Abbildung 1: 0/1h-Ansatz am Beispiel des Triage® MeterPro. Die Grafik kann hier heruntergeladen werden.

Diagnostische Analysegeräte, die den 0/1-Stunden-Algorithmus unterstützen und mit äusserst niedrigen Nachweisgrenzen von 0,1 ng/l (Triage® MeterPro) bzw. 2,33 ng/l (PATHFAST™) arbeiten, bieten in der Schweiz eine verlässliche Grundlage für die schnelle und präzise Diagnostik von AMI.

D-Dimer

Diagnostische Relevanz bei thrombotischen Erkrankungen

D-Dimer ist ein Fibrinspaltprodukt, das durch die Aktivierung der Fibrinolyse nach einer Gerinnselbildung entsteht. Aufgrund seiner hohen Sensitivität wird es vor allem zum Ausschluss einer venösen Thromboembolie (VTE) eingesetzt. Ein negativer D-Dimer-Test hat eine hohe negative prädiktive Wertigkeit, während erhöhte Werte unspezifisch sind und verschiedene Ursachen haben können.

Diagnostische Anwendung und Indikationen

D-Dimer-Messungen sind besonders wertvoll in folgenden klinischen Situationen:

  • Ausschluss einer tiefen Venenthrombose (TVT) oder Lungenembolie (LE) bei Patientinnen und Patienten mit niedrigem oder mittlerem klinischen Risiko.
  • Diagnostik der disseminierten intravasalen Gerinnung (DIC), wo erhöhte Werte als diagnostisches Kriterium dienen.
  • Risikostratifizierung bei COVID-19-Betroffenen, da erhöhte D-Dimer-Werte mit einer schweren Erkrankung und erhöhter Mortalität assoziiert sind.

Cutoff-Werte und altersadaptierte Grenzwerte

Der Standard-Cutoff für D-Dimer liegt meist bei 500 µg/L FEU (Fibrinogen-Äquivalente Einheiten) oder 0,5 mg/L DDU (D-Dimer-Einheiten). Allerdings kann die Spezifität bei älteren Patientinnen und Patienten abnehmen, da der Wert auch ohne thrombotische Ereignisse ansteigt. Daher wird Betroffenen über 50 Jahre häufig der altersadaptierte Cutoff verwendet:

  • Alter × 10 µg/L FEU (z. B. 70 Jahre = 700 µg/L FEU)

Bei Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine Lungenembolie (LE) können auch geschlechtsspezifische Cutoff-Werte genutzt werden:

  • Frauen: 750 µg/L FEU
  • Männer: 500 µg/L FEU

Limitationen und alternative Ursachen für erhöhte Werte

Ein erhöhter D-Dimer-Wert ist nicht spezifisch für Thrombosen, sondern kann auch in anderen klinischen Situationen auftreten, darunter:

  • Infektionen und Entzündungen (Sepsis, Pneumonie, COVID-19)
  • Maligne Erkrankungen, insbesondere solide Tumoren oder hämatologische Neoplasien
  • Schwangerschaft, insbesondere im dritten Trimester
  • Postoperative Zustände, insbesondere nach grösseren chirurgischen Eingriffen
  • Lebererkrankungen, da eine gestörte Synthese von Gerinnungsfaktoren die Fibrinolyse verstärken kann

D-Dimer und präanalytische Faktoren

  • Falsch hohe Werte können durch Hämolyse, Lipämie oder unzureichende Blutentnahme verursacht werden.
  • Die Halbwertszeit von D-Dimer beträgt 4–8 Stunden, was bedeutet, dass eine persistierende Erhöhung auf einen anhaltenden Gerinnungsprozess hindeuten kann.

NT-proBNP

Biomarker für Herzinsuffizienz und kardiale Belastung

NT-proBNP ist das N-terminale Spaltprodukt des Brain Natriuretic Peptide (BNP) und wird hauptsächlich in den Kardiomyozyten der Ventrikel synthetisiert. Es dient als wichtiger Biomarker zur Beurteilung der Herzinsuffizienz und wird bei myokardialem Stress oder erhöhter kardialer Wandspannung freigesetzt.

Diagnostische Bedeutung und Indikationen

NT-proBNP wird in verschiedenen kardiovaskulären Kontexten verwendet, insbesondere für:

  • Differenzierung zwischen kardialen und nicht-kardialen Ursachen von Dyspnoe
  • Früherkennung und Risikostratifizierung von Patientinnen und Patienten mit akuter oder chronischer Herzinsuffizienz
  • Prognoseabschätzung nach Myokardinfarkt
  • Therapieüberwachung bei Herzinsuffizienz-Erkrankungen, da sinkende Werte auf eine erfolgreiche Behandlung hinweisen

Cutoff-Werte für akute und chronische Herzinsuffizienz

Je nach klinischer Situation variieren die Cutoff-Werte:

  • Akute Herzinsuffizienz:
    • <50 Jahre: >450 pg/mL
    • 50–75 Jahre: >900 pg/mL
    • >75 Jahre: >1800 pg/mL
  • Chronische Herzinsuffizienz:
    • Allgemeiner Cutoff: >125 pg/mL

Bei Werten unter diesen Cutoffs kann eine klinisch relevante Herzinsuffizienz mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

Alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede

  • Ältere Patientinnen und Patienten haben physiologisch höhere NT-proBNP-Werte, selbst ohne Herzinsuffizienz.
  • Frauen weisen in der Regel höhere NT-proBNP-Werte als Männer auf, was möglicherweise durch hormonelle Faktoren beeinflusst wird.
  • Niereninsuffizienz kann NT-proBNP-Werte ebenfalls erhöhen, da die renale Clearance beeinflusst wird.

Differenzialdiagnosen für erhöhte NT-proBNP-Werte

Erhöhte NT-proBNP-Werte sind nicht ausschliesslich auf eine Herzinsuffizienz zurückzuführen, sondern können auch durch folgende Faktoren beeinflusst werden:

  • Akuter Myokardinfarkt oder instabile Angina pectoris
  • Vorhofflimmern oder andere Tachyarrhythmien
  • Pulmonale Erkrankungen (Lungenembolie, COPD, pulmonale Hypertonie)
  • Schwere Niereninsuffizienz, da NT-proBNP renal eliminiert wird
  • Sepsis und systemische Entzündungen, die eine myokardiale Dysfunktion verursachen können

NT-proBNP in der Therapieüberwachung

NT-proBNP kann zur Therapiesteuerung bei Herzinsuffizienz genutzt werden, insbesondere zur Kontrolle der medikamentösen Einstellung:

  • Sinkende Werte sprechen für eine effektive Therapie mit Diuretika, ACE-Hemmern oder Betablockern.
  • Persistierend hohe Werte deuten auf eine unzureichende Behandlung oder eine Progression der Herzinsuffizienz hin.

Die richtige Nutzung von Biomarkern wie Troponin, D-Dimer und NT-proBNP ist essenziell für die moderne Diagnostik. Neben der Anwendung aktueller ESC-Leitlinien spielt auch die Wahl der richtigen Geräte eine entscheidende Rolle. So können klinische Entscheidungen präzise und effizient getroffen werden. In einer Ära, in der Zeit oft Leben bedeutet, sind Innovationen in der Diagnostik unverzichtbar.

 

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Quellen:

  • Boeddinghaus, J. (2016). Ausschluss des akuten Myokardinfarkts durch hoch-sensitives Troponin I: Ein Direktvergleich von vier Strategien. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. Abgerufen am 27. Februar 2025, von
    https://dgk.org/daten/Boeddinghaus-Strategien-TroponinI.pdf
  • Müller, C., & Twerenbold, R. (2017). 0/1-Stunden-Algorithmus bei Verdacht auf Myokardinfarkt. Universimed. Abgerufen am 27. Februar 2025, von
    https://www.universimed.com/ch/article/kardiologie-gefaessmedizin/stunden-algorithmus-bei-verdacht-auf-myokardinfarkt-2114477
  • Aktualisierte ESC-Leitlinie: Akutes Koronarsyndrom - das ist neu. (2024). Allgemeinarzt Digital. Abgerufen am 27. Februar 2025, von
    https://allgemeinarzt.digital/medizin/herz-gefaesse/aktualisierte-esc-leitlinie-akutes-koronarsyndrom-das-ist-neu/
  • D-Dimere. (2023). DocMedicus Gesundheitslexikon. Abgerufen am 27. Februar 2025, von
    https://www.gesundheits-lexikon.com/Labormedizin-Labordiagnostik/Blutgerinnung/D-Dimere
  • NT-pro BNP - Risikoeinschätzung der Herzinsuffizienz. (o.D.). IMD Berlin. Abgerufen am 27. Februar 2025, von
    https://www.imd-berlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/nt-pro-bnp-risikoeinschaetzung-der-herzinsuffizienz
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