INR-Messwerte: «Sicher im Zielbereich» – da bin ich sicher
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- Geschrieben von Axonlab
- Arztpraxis
Schnell in den Finger geschnitten, Pflaster aufgeklebt, Vorfall vergessen.
Ein Pflaster hilft, eine blutende Stelle abzudecken. Die Blutung zu stoppen ist jedoch vor allem die Aufgabe unseres normalerweise gut funktionierenden Gerinnungssystems. Eine intakte Blutgerinnung (Hämostase) sorgt für den Verschluss von inneren und äusseren Wunden.
Das Blutgefäss zieht sich an der verletzten Stelle zusammen und Thrombozyten lagern sich an die betroffene Stelle der Gefässwand an. Sie interagieren und es entsteht ein Thrombus. Das Ergebnis: erster Wundverschluss. Dabei werden Gerinnungsfaktoren aktiviert, die durch Bildung von Fibrin für die Stabilisierung und Fixierung des Thrombus sorgen.
Schnell um die Ecke des Tisches gelaufen, gestossen, ein kleiner blauer Fleck – morgen schon vergessen.
Durch das Anstossen an einer Kante werden Blutgefässe verletzt. Als Folge dringt Blut in das Gewebe ein, das unter der Haut gerinnt. Dadurch entsteht ein «blauer Fleck», ein sogenanntes Hämatom. Während dem Abbauprozess, verfärbt sich das Hämatom in verschiedene Farben. Dies ist ein Indiz dafür, dass das Gerinnungssystem arbeitet.
Wenn die Vorgänge nach den Ereignissen wie beschrieben ablaufen, kann man von einem funktionierenden Gerinnungssystem sprechen und dies durch eine INR-Messung darstellen: Der INR-Wert liegt bei 1,0 (Beachten: beinhaltet nur das exogene Gerinnungssystem).
So einfach ist dies nicht für jede Person.
Bei einer ungenügenden Blutgerinnung (ungenügende Koagulation), der häufigsten Form der Hämostasestörung, besteht die Gefahr einer übermässigen Blutung (Hämophilie) und damit eines erhöhten Blutverlustes. Ist die Hämostase zu stark, besteht die grosse Gefahr einer Thrombose, eines Gefässverschlusses durch Blutgerinnsel.
In jedem Fall handelt es sich um lebensbedrohliche Ereignisse. Bei hereditären oder erworbenen Erkrankungen wie Vorhofflimmern / Herzrhythmusstörungen, rezidivierenden Thrombosen, Embolien, Herzinfarkt, Einsatz von künstlichen Herzklappen oder Herz-Kreislauf-Unterstützungssystemen («Kunstherz»), ist eine regelmässige Überwachung der Hämostase mit entsprechender Medikation unerlässlich.
Die Funktion des extrinsischen Blutgerinnungssystems wird mit dem Quick-Test überprüft. Der Quick-Wert ergibt sich aus der quantitativen Bestimmung der Thromboplastinzeit (TPZ). Da die ermittelten Quick-Werte verschiedener Institutionen oft nicht vergleichbar sind, hat sich die International Normalized Ratio (INR1) als international vergleichbarer Wert zur Bestimmung der Blutgerinnung etabliert. Dabei handelt es sich um eine Standardisierung des Quick-Wertes.
Bei Patientinnen und Patienten, die mit gerinnungshemmenden Medikamenten aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten wie Marcoumar® behandelt werden, kann die INR-Bestimmung mit einem POCT-System regelmässig Auskunft über den Status der Hämostase geben.
Beim Einsatz von POCT-Systemen ist eine korrekte Präanalytik erforderlich, um sicherzustellen, dass die Analyse nicht durch äussere Einflüsse beeinträchtigt wird. Bereits geringfügige Wechselwirkungen, beispielsweise mit Desinfektionsmitteln, können bei einem Probenvolumen von nur 3 µl zu fehlerhaften Ergebnissen führen.
Je nach Diagnose gibt es einen bestimmten Zielbereich, in dem der Patient oder die Patientin als «sicher» eingestellt gilt.
Dennoch muss das Individuum betrachtet und dementsprechend persönlich medikamentös eingestellt werden. Die INR unterliegt Schwankungen, die durch Ernährung, Sport, Stress (negativ oder positiv), Nahrungsergänzungsmittel und vielem mehr hervorgerufen werden. Die engmaschige INR-Kontrolle gibt hierüber zuverlässig und kurzfristig Auskunft, so dass schnell mit einer Anpassung der Medikation reagiert werden kann.
INR-Messungen werden – zur Sicherheit des Patienten oder der Patientin – in der Regel in der Praxis des behandelnden Arztes durchgeführt. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit des Selbstmanagements.
Unter bestimmten Voraussetzungen können Patientinnen und Patienten unter Dauer- oder Langzeittherapie mit Vitamin-K-Antagonisten lernen, die INR-Bestimmung und Medikamentendosierung selbst durchzuführen2. Ein erfolgreiches Patienten-Selbstmanagement setzt neben der Bereitschaft zur Übernahme von Eigenverantwortung natürlich immer eine enge Abstimmung mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin voraus.
FAZIT:
Schon die kleinste Verletzung setzt die Gerinnungskaskade in Gang und es kann einen Moment (INR 1) oder zwei bis drei Momente (INR 2 - 3) dauern, bis die Blutung gestoppt ist. Es ist wichtig, so sicher wie möglich in den Zielbereich zu gelangen.
1Die INR errechnet sich aus der Thromboplastinzeit (TPZ) des Patientenplasmas geteilt durch die TPZ eines Normalplasmas potenziert mit dem «International Sensitivity Index» (ISI). Dies ist der Faktor, der die Sensitivität des TPZ – Reagenz in Beziehung zu einem internationalen Standard setzt.
2Studien wie die von C. Heneghan et al. in The Lancet, 2012, belegen die Reduktion von Komplikationen und gleichzeitig eine positive «Time-in-Therapeutic-Range» (TTR) im PSM.