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Interview mit Doc Dialog: Künstliche Intelligenz in der Hausarztpraxis

  • 10 Minuten Lesedauer
  • Geschrieben von Axonlab
  • Arztpraxis

Die Anforderungen an Hausarztpraxen in der Schweiz wachsen stetig. Zunehmende Dokumentationspflichten, steigender Kostendruck und begrenzte personelle Ressourcen sorgen dafür, dass digitale Unterstützung im Praxisalltag immer wichtiger wird. Leistungserbringer sind interessiert an Tools, die den Praxisalltag effizienter machen. Ob mit oder ohne künstliche Intelligenz ist nicht entscheidend, solange sie Zeit sparen. Gleichzeitig fürchten viele jedoch den Aufwand und fühlen sich von der Geschwindigkeit des Wandels überfordert.

Digitale Lösungen können dazu beitragen, den administrativen Aufwand zu reduzieren und das medizinische Personal zu entlasten. Beispiele dafür sind automatisierte Abläufe, strukturierte Dokumentation, smarte Kommunikation oder unterstützende Funktionen bei organisatorischen Aufgaben. Auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für mehr Effizienz und Qualität in der Grundversorgung.

Ein Beispiel dafür ist Doc Dialog, ein spezialisiertes Tool, das gezielt auf wiederkehrende Herausforderungen im Praxisalltag eingeht. Wir haben die Gelegenheit genutzt, mit Dr. Daniel Müller, Gründer von Doc Dialog, erfahrener Praxismanager und Sohn eines niedergelassenen Grundversorgers, über den Einsatz von KI in der Hausarztpraxis zu sprechen.

Herr Dr. Müller, was hat Sie inspiriert, selbst eine Software wie Doc Dialog zu entwickeln?

Die Idee entstand direkt aus dem Praxisalltag, den ich von meinem Vater kannte. Ich habe gesehen, wie unser Praxisteam vermehrt Fragen zum Einsatz von ChatGPT in der Praxis gestellt hat. Der Datenschutz ist nicht gewährleistet mit den amerikanischen Webseiten, aber ein pauschales „Nein“ führt auch zu Unzufriedenheit im Team. Eine Alternative wurde gesucht und mir wurde nochmals vor Augen geführt, wie viel Zeit Ärztinnen und Ärzte mit repetitiven, administrativen Aufgaben verbringen. Zeit, die letztlich für die Patientinnen und Patienten fehlt. Das hat mir gezeigt, dass wir nicht nur Prozesse digitalisieren, sondern intelligenter gestalten müssen. Echte Mehrwerte und Entlastung für das medizinische Personal. Nach vielen Iterationen konnten wir so den Grundstein für Doc Dialog legen.

Wenn Sie an die Entwicklung zurückdenken, was war Ihnen besonders wichtig?

Mir war wichtig, dass die Lösung nicht nur datenschutzkonform und technisch solide ist, sondern auch im Alltag zuverlässig funktioniert. Das Tool muss einfach zu bedienen sein, auch bei Stress, mit älteren PCs und begrenzter Zeit. Doc Dialog sollte so intuitiv sein, sodass kaum Schulung erforderlich ist. Neben Diktat und Transkribieren wollten wir typische Aufgaben wie Arztberichte, Rückweisungen oder Versicherungsformulare nicht einfach digital abbilden, sondern intelligent unterstützen.

Was genau ist Doc Dialog und für wen wurde die Lösung entwickelt?

Doc Dialog ist eine digitale Assistenzlösung für Arztpraxen. Sie richtet sich an Ärztinnen, Ärzte und MPAs, die im Alltag effizienter arbeiten möchten, ohne dabei an Qualität einzubüssen. Im Fokus steht die unterstützende Aufbereitung von Texten und strukturierten Formularen zur Kommunikation mit Versicherungen und Patientinnen und Patienten. Neu bieten wir auch eine Diktierfunktion an. Es geht um die Transkription von aufgenommener Sprache zu Text. Das funktioniert zuverlässig, auch bei komplexen Medikamentennamen, Begriffen aus dem Schweizer Gesundheitswesen und üblichen Personennamen.

Welche Funktionen oder Einsatzbereiche werden in der Praxis besonders geschätzt?

Bei Grundversorgern ist die Erstellung von KG-Einträgen beliebt. Besonders geschätzt wird auch die strukturierte Unterstützung bei der Erstellung von Berichten. Beispiele sind IV-Verlaufsberichte, KTG-Erstberichte oder Rückweisungen. Bestehende Inhalte aus der KG werden sprachlich optimiert und formatierungstechnisch vorbereitet (ohne inhaltliche Veränderung). Aber auch kleine Dinge machen einen Unterschied, z. B. intelligente Textbausteine, Word-Export, datenschutzkonforme KI-Recherche mit transparenten Quellenangaben oder die Möglichkeit, mit wenigen Klicks Informationen aus verschiedenen Quellen zu bündeln.

Wo sehen Sie konkrete Lücken, die Doc Dialog besonders gut abdeckt?

Die meisten Systeme konzentrieren sich auf Dokumentation, Abrechnung oder Terminplanung. Was oft fehlt, ist echte Unterstützung bei medizinisch-organisatorischen Aufgaben – also dort, wo komplexe Informationen zusammengeführt, aufbereitet und weitergegeben werden müssen. Genau hier setzt Doc Dialog an: Wir helfen dort, wo andere Tools an ihre Grenzen stossen. Wir wollen der One-Stop-Shop sein, der parallel zum Praxisprogramm am Morgen an jedem PC geöffnet wird und über den Tag hinweg im Praxisteam Zeit spart.

Was unterscheidet Doc Dialog von anderen digitalen Tools?

Erstens: Wir konzentrieren uns konsequent auf den Alltag in Arztpraxen. Auf reale Abläufe, wie sie heute stattfinden. Unsere Entwicklung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten, die nicht alle IT-Experten sind. Viele Funktionen stammen direkt aus den Feedbacks der Praxen von jungen Ärztinnen und Ärzten, aber auch von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, die kurz vor dem Ruhestand stehen und nicht mit IT aufgewachsen sind. Wir holen unsere Kunden dort ab, wo sie derzeit technisch stehen.

Zweitens: Wir setzen KI dort ein, wo sie echten Mehrwert bringt. Das ist zum Beispiel bei der Transkription von Audioaufnahmen, beim sprachlichen Formulieren ärztlich vorgegebener Inhalte oder dem unterstützten Ausfüllen komplexer Formulare. Die Logik bleibt dabei nachvollziehbar und transparent: Nutzerinnen und Nutzer behalten jederzeit die Kontrolle über das Ergebnis.

Drittens: Unser Fokus liegt nicht auf Technologie um der Technologie willen, sondern auf konkreten Lösungen für wiederkehrende Herausforderungen im Praxisbetrieb. Doc Dialog unterstützt vorausschauend, genau da, wo täglich Zeit verloren geht.

Darüber hinaus gibt es bei uns keine versteckten Kosten, keine teuren Wartungsverträge für zusätzliche Schnittstellen und keinen Rechnungsschock nach einem kurzen Support-Telefonat. Wir stehen persönlich hinter dem Produkt, es gibt keine externen Investoren, keine Konzernstruktur, keine versteckte Agenda. Ich bin zu 100 % verantwortlich und ansprechbar.

Und: Die KI-Modelle, die wir einsetzen, verbessern sich laufend, oft sogar innert eines Quartals. Davon profitieren unsere Nutzerinnen und Nutzer automatisch, ohne Zusatzkosten oder Aufwand.

Ihr System nutzt auch KI-Funktionen. Wie gehen Sie beim Thema Datenschutz vor?

Datenschutz steht bei uns an erster Stelle. Wir arbeiten mit Schweizer Infrastruktur und verzichten komplett auf Datenweitergabe an Dritte. KI-Module werden in zertifizierten Rechenzentren in der Schweiz betrieben. Es werden keine Patientendaten zum Training von KI verwendet oder in den USA gespeichert – alles bleibt unter der Kontrolle der Praxis.

Wie stellen Sie sicher, dass ärztliche Entscheidungen beim Fachpersonal bleiben?

Unsere KI ist ein Werkzeug, kein Entscheider. Die Verantwortung bleibt immer beim Menschen. Wir gestalten die Oberfläche so, dass alle Vorschläge klar als solche erkennbar sind. Alles ist nachvollziehbar, editierbar und mit einem Knopfdruck abschaltbar. Ärztinnen und Ärzte sollen souverän bleiben, nicht überrollt werden.

Wie sehen Sie die Rolle von KI in der Grundversorgung in den nächsten Jahren?

KI wird in den nächsten Jahren zum Standardwerkzeug in der ambulanten Versorgung werden. Die Nutzung wird so selbstverständlich sein wie heute das Blutdruckmessgerät. Ich wünsche mir, dass wir diese Technik nicht als Bedrohung sehen, sondern als Chance, uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren zu können: auf gute Medizin, mit Zeit für Gespräche und individuelle Betreuung.


Zusammenarbeit mit Dr. Daniel Müller

Wir pflegen einen regelmässigen fachlichen Austausch mit Dr. Daniel Müller und seinem Netzwerk. Durch seine langjährige Erfahrung im Praxismanagement und seine Forschung an der ETH Zürich im Bereich künstliche Intelligenz bringt er wertvolle Perspektiven ein, die dabei helfen, digitale Lösungen praxisnah weiterzuentwickeln. Der Dialog zwischen medizinischer Praxis, Technologie und strategischer Entwicklung ist für uns zentral, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen sinnvoll mitzugestalten.


Dr. Daniel Müller ist Gründer von Doc Dialog und bringt über 15 Jahre Erfahrung im Praxismanagement mit. Als Entwickler praxisnaher digitaler Lösungen arbeitet er eng mit Ärztinnen und Ärzten und medizinischem Personal zusammen. Zudem hat er vier Jahre an der ETH Zürich zum Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft geforscht und Studenten betreut.

Mehr Informationen zu Doc Dialog finden Sie unter docdialog.ch


 

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