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Jährlicher Besuch und Arbeitseinsatz im Albert-Schweitzer-Spital in Lambaréné, Gabun

  • 10 Minuten Lesedauer
  • Geschrieben von Axonlab
  • Unternehmen

Ein Reisebericht von Markus Häuselmann, Service Engineer bei Axonlab:

«Wie jedes Jahr stehen wir auch 2024 vor unserer Reise nach Lambaréné vor der bekannten Herausforderung: Wie packen wir unsere Koffer möglichst so, dass alle Ersatzteile und die bestellten Reagenzien gut verteilt sind und bei einer allfälligen flüchtigen Kontrolle am Zoll nicht auf Anhieb ins Auge springen? 

Der Vorabend Check-In am Freitagabend verläuft ohne grosse Wartezeit. Wir erhalten sogar noch die begehrten Sonderplätze beim Notausgang. Für die 7.5-stündige Reise von Paris nach Libreville ist jede Extra-Beinfreiheit willkommen, insbesondere da der Flug bis auf den letzten Platz ausgebucht ist.

Am Samstag, unserem Anreisetag, steht uns eine 18-stündige Reise bevor. Wir stehen um 4.15 Uhr in der Früh in der Schweiz auf und kommen schlussendlich um 22.15 Uhr in Libreville, der Hauptstadt von Gabun, im Hotel an.

Auch wenn der Flug selbst eigentlich gar nicht so lange dauert, so wächst die Reisezeit mit Transferzeit (über 4 Stunden), Verspätung und Wartezeit am Zoll trotzdem schnell auf knapp 20 Stunden an. Der positive Nebeneffekt von ausführlichen Visa-Formalitäten: es vergeht dabei so viel Zeit, dass auch die Zollbeamten müde werden und ihr klimatisiertes Büro einer Gepäckkontrolle vorziehen.  Das heisst für uns glücklicherweise freie Einfuhr ohne unnötige Diskussionen.

Als wir in unserem Hotel in Libreville ankommen, hat die Küche bereits geschlossen. Anstelle eines Abendessens gibt’s also nur noch ein Gute-Nacht-Bier, aber immerhin. Wir freuen uns auf unser diesjähriges Gabun-Abenteuer, welches uns bevorsteht und fallen müde ins Bett.

Der folgende Tag ist wie immer dafür reserviert, nochmals zum Flughafen zu fahren. Dort sind SIM-Karten erhältlich, die wir für eine gute Kommunikation mit unseren Kontakten vor Ort benötigen. Glücklicherweise hat auch der Geldwechsel-Schalter geöffnet und wir können auch gleich das benötigte Bargeld wechseln. Wir kaufen auch gleich Trinkwasser ein – die Erinnerung an letztes Jahr ist uns noch präsent, als wir die Zähne mit Leitungswasser putzten…

Am Montag ist der Taxifahrer für unsere Reise nach Lambaréné pünktlich vor Ort, mit einem Pickup mit Ladebrücke für unser Gepäck. Das ist genau so lange praktisch und komfortabel (mehr Platz für uns Passagiere im Fahrzeug), bis es zu regnen beginnt. Das Gepäck ohne Abdeckung bei starkem Regen zu transportieren ist keine gute Idee. Also rein mit dem Gepäck in die Fahrerkabine und vorbei ist es mit den komfortablen Platzverhältnissen.

Nach Bezug der Unterkunft in Lambaréné geht es los mit der Bestandaufnahme der Arbeiten in den verschiedenen Abteilungen des Albert-Schweitzer-Spitals. Auch ein kurzes Begrüssungsgespräch mit dem Spital-Direktor darf nicht fehlen. Er wirkt dieses Jahr sehr müde und geht Ende Jahr frühzeitig in Pension. Er hat seine Funktion fünf Jahre ausgeführt, was viele seiner Vorgänger nicht geschafft haben. Mal sehen, wen wir nächstes Jahr antreffen.

Abends hatten wir geplant ins Zentrum von Lambaréné zu fahren, um grillierten Fisch zu essen. Doch aufgrund enorm starker Regenfälle, können wir das Hotel leider nicht verlassen. Zum Glück haben die Verantwortlichen im Hotel Nahrungsmittel fürs Hotel-Restaurant eingekauft, was hier nicht selbstverständlich ist.

Am Dienstagmorgen machen mein Kollege Marco und ich uns getrennt an unsere Arbeiten. Marco fängt im Spital mit den Micros 60 an und ich beginne mit den beiden Yumizen H500, die wegen Pannen seit längerer Zeit stillstehen. Das erste Gerät kann ich relativ rasch wieder instand setzen, da die Panne indirekt durch einen Anwenderfehler ausgelöst wurde. Das heisst, wir werden alle Anwender nochmals gut nachschulen müssen. Für die Reparatur des zweiten Geräts habe ich glücklicherweise die nötigen Ersatzteile dabei, so dass auch dieses Gerät wieder funktionsfähig ist.

Weit grösser als die Reparaturen zeigt sich die Herausforderung für uns in einem „unterkühlten“ Labor zu arbeiten. Es wird gehustet und genossen, doch die Temperatur der Klimaanlage bleibt auf 16 Grad Celsius eingestellt. Nach spätestens einer Stunde Arbeit in der Kühle – mit Jacke ausgestattet und klammen Fingern – ist ein Aufwärmen draussen bei über 30 Grad Celcius angesagt. Doch schon nach wenigen Minuten beginnt das Schwitzen und wir gehen zurück ins kühle Labor.

Wir kommen in den folgenden Tagen mit unserer Arbeit gut voran und können ein Gerät nach dem anderen reparieren und in Stand setzen. Zum Glück haben wir die richtigen Ersatzteile dabei. Marco hat jedoch mit einer echten Knacknuss zu kämpfen. Einer der drei Micros 60 wurde in einem Lagerraum als Ersatzgerät aufbewahrt. Das Gerät ist voller Mäusedreck und die Messkammer ist durch Rostteile, die von der Messkammerabdeckung heruntergefallen sind, nicht mehr zu gebrauchen. Dank den richtigen Ersatzteilen, die wir in ausreichender Menge dabeihaben, können wir zum Glück auch diese Situation meistern.

Am Freitag beginnt jeweils der spannende Teil unseres Einsatzes in Gabun: Wir fahren nach Fougamou, der Aussenstelle von Dr. Pierre-Blaise.

Das Labor in Fougamou musste vorübergehend wegen Krankheit schliessen und die Geräte waren für einige Monate enormer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt.

Das Labor verfügt weder über eine Klimaanlage noch über einen Ventilator und wir kommen bei der Arbeit so richtig ins Schwitzen. Fast wünscht man sich das unterkühlte Labor aus dem Albert-Schweitzer-Spital zurück… Wir schwitzen so stark, dass wir ständig Wasser zu uns nehmen müssen, um unseren Wasserhaushalt einigermassen aufrecht zu erhalten.

Hier im Labor der Aussenstelle sind wir mit der Instandsetzung der Geräte leider nicht ganz so erfolgreich wie in Lambaréné. Der Rost hat den Instrumenten sehr zugesetzt – irgendwann findet jedes Gerät sein Ende… Wir werden in der kommenden Zeit schauen, welche Geräte wir allenfalls austauschen können.

Am Sonntag legen wir einen arbeitsfreien Tag ein und geniessen den Tag bei einem erfrischenden Bad mit kühlem Bier. Auch der Freundeskreis wächst jedes Jahr.

                                   

Am Montag geht es dann weiter nach Sindara, eine weitere Aussenstelle von C.E.R.M.E.L., die in der Forschung einer Malaria-Impfung tätig ist.

Seit Kurzem wurde in diesem Labor eine Klimaanlage installiert, was das Arbeiten endlich erträglich macht. Es gelingt uns sogar, die Einheimischen zu überzeugen, dass auch 22 Grad Celsius als Arbeitstemperatur angenehm ist.

Wieder zurück in Lambaréné mache ich mich an die Arbeit mit den Updates für die HemoScreens. Bis auf ein Gerät, ein älteres Modell mit Windows 7, welches sie nicht von uns bezogen haben, ist alles glatt gelaufen. Nachdem ich von unserem Product Manager des Geräts das Okay für die Installation der neusten Software-Version bekommen habe, sind alle Geräte auf dem neusten Stand. Auch das ältere Modell habe ich durch WhatsApp-Telefonsupport von einem Axonlab-Techniker-Kollegen in der Schweiz noch in den Griff bekommen.

Die Labor-Mitarbeitenden in Lambaréné hatten die Diagnostikgeräte in einen Bus eingebaut, damit sie ein mobiles Labor zur Verfügung haben, um in die abgelegenen Dörfer zu fahren. Eine hervorragende Idee! Wir haben ihnen jedoch empfohlen, die Geräte in gut gepolsterten Boxen im Bus zu transportieren und jeweils erst vor Ort im Bus für den Gebrauch aufbauen. Für die Weiterfahrt empfehlen wir die Geräte herunterzufahren und wieder sicher in die Boxen zu verpacken. Es gibt auf Gabuns Strassen einfach zu viele Schlaglöcher für fix montierte Geräte in einem mobilen Labor.

Nach den letzten Schulungen und Geräte-Abnahmen organisieren wir unseren Rücktransport nach Libreville. Vor dem Rückflug gönnen wir uns noch eine kurze Erholung mit einem Ausflug ans Cap Estrellas ausserhalb Libreville.»

 

Connecting ideas. Wir bringen zusammen was Werte schafft, auch Freundschaften weltweit.

 

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