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Jährlicher Erfahrungsbericht aus dem Albert-Schweitzer-Spital in Lambaréné, Gabun

  • 8 Minuten Lesedauer
  • Geschrieben von Axonlab
  • Unternehmen

Unser Techniker, Markus Häuselmann, reist jährlich nach Gabun, um im von Axonlab unterstützten Albert-Schweitzer-Spital die Diagnostik-Geräte zu warten. Seinen eindrücklichen Bericht des Besuchs im Frühling 2023 teilen wir hier gerne:

„Die Reise startet wie immer bereits am Freitagabend mit dem Vorabend Check-In bei Airfrance, da der Abflug am nächsten Tag sehr früh ansteht. Bereits um 04.30 Uhr klingelt der Wecker und es geht los zum Flughafen. So zeitig aufzubrechen um dann vier Stunden in Paris zu warten, bis es weitergeht, ist nicht gerade ideal. Aber die Flugverbindungen können wir ja nicht beeinflussen.

Die Reise verläuft gut und auch am Zoll werden wir ohne Kontrolle durchgelassen. So entfallen zum Glück lästige Diskussionen über das mitgeführte Material für die Servicearbeiten. Gegen 21 Uhr erreichen wir unser Hotel; gerade noch rechtzeitig, bevor die Küche schliesst.

Der Sonntag ist jeweils dafür reserviert, um Notwendiges vor Ort zu organisieren. Dazu gehört eine lokale SIM-Karte, damit wir für die verschiedenen Anlaufstellen vor Ort erreichbar sind. Auch die Weiterfahrt für den Montagmorgen muss mit dem Taxifahrer abgestimmt werden, Geld gewechselt werden und einiges mehr.

Die Fahrt am Montagmorgen früh nach Lambaréné zum Albert-Schweitzer-Spital verläuft besser als erwartet. Der Fahrer ist pünktlich und die Strasse in einem wesentlich besseren Zustand als in den vergangenen Jahren. Es wurde viel erneuert und gebaut sodass die Reisezeit von Libreville nach Lambaréné aktuell statt 6-7 Stunden bloss noch 5-6 Stunden dauert. Die Fahrzeit hängt auch immer von den üblichen Polizei- und Militärkontrollen ab, bei welchen der Chauffeur immer mal wieder seinen Wegzoll bezahlen muss. Diese Zölle können gut 15% des Fahrpreises ausmachen: Welcome to Africa.

Nach Bezug der Unterkunft in Lambaréné steht wie immer zuerst ein kurzes Begrüssungsgespräch beim Direktor vom Spital an sowie die Aufnahme der anstehend Arbeiten beim Direktor vom Forschungsinstitut C.E R M.L..

Abendessen gibt’s im Zentrum von Lambaréné: grillierter Fisch, frisch vom Fluss. Dahin kommt man mit dem Sammel-Taxi, wo jeder Passagier zuruft wohin er will und wieviel er zahlen will. Stimmt die Richtung für den Fahrer, kann man einsteigen. In der Regel ist das Preissystem simpel: bei jeder Überquerung einer Brücke bezahlt man einen Zuschlag, ab 21 Uhr den doppelten Fahrpreis.

Die Geräte in der Forschungsstation finden wir in gutem Zustand vor. Die Micros 60 Analysers im Spital hingegen geben einiges mehr an Arbeitsaufwand. Es ist wichtig, genügend Zeit für die Wartung zu investieren – die Geräte sollen ja auch wieder ein ganzes Jahr funktionieren. In der Regel werden pro Tag 60-70 Proben gemessen.

Der Wartesaal im Eingangsbereich ist immer sehr voll und neben Patientinnen und Patienten trifft man auch immer wieder mal Hunde oder Hühner an, die Schatten im Wartesaal suchen.

Am Abend darf dann auch mal ein Bierchen mit Freunden genossen werden.

Am Freitag geht es dann weiter übers Wochenende in die Aussenstelle Fougamou, was knapp 100 km von Lambaréné entfernt liegt. Am Morgen werden wir von Dr. Pierre Blaise abgeholt, um uns um seinen Micros und Pentra 60 zu kümmern. Er musste aus seinen Räumlichkeiten wegen Renovationsarbeiten ausziehen und hat ein Provisorium im alten Spitalbereich in Fougamou gefunden. Jedoch alles sehr klein und eng, mit drei MPAs völlig überfüllt. Damit wir unsere Wartungsarbeit erledigen können, bekommen die drei Mitarbeiterinnen spontan frei.

Auf der Hinfahrt nach Fougamou war mir aufgefallen, dass im Vergleich zu Vorjahren nur wenige Lastwagen mit Baumstämmen Richtung Libreville unterwegs waren. Ich fragte mich, ob das wohl mit einer Reduktion des Holzabbaus zu tun hat. Gerade in dem Moment, wo ich diesen Gedanken habe, zieht ein riesiger Konvoy von über 15 Lastwagen mit Anhängern voll Tropenholz am Spital vorbei… Wie viele Urwaldriesen werden wohl noch bleiben? Beim ersten Besuch vor 12 Jahren hat man solche Riesen noch in der Umgebung Fougamou gefunden, heute werden sie von viel weiter weg geschlagen. Die grossen Schiffe für den Export warten bereits im Hafen, der Hunger nach Tropenholz ist unersättlich.

Nach erledigter Samstagarbeit ist es am Sonntag immer ein besonderer Genuss, in den nahen kühlen Fluss zu springen. Das ist längst kein Geheim-Tipp mehr, gegen 30 Dorfbewohner vergnügen sich, springen und lachen, wir mitten drin.

Allmählich wird es ruhiger und wir geniessen die unvergleichbare Atmosphäre. 

Doch wo sind plötzlich all die Leute hin? Ach ja, es ist Sonntag und wir kommen an der „Kirche“ vorbei. Jedoch nicht unbemerkt. Wir werden solleich an die Front eskortiert und vom Pfarrer begrüsst. Alles rein musikalisch, denn in Afrika wird in der Kirche laut gesungen und getanzt. So werden auch wir gleich vom Pfarrer zum Mittanzen animiert.

Am Montag werden wir für eine Neu-Installation mit Schulung abgeholt. Wir hatten spontan erfahren, dass eine komplett neue Aussenstelle zu Forschungszwecken in Sindara eingerichtet wird. Dafür wurden von unserer Axonlab-Niederlassung in Le Mont ein Microsemi, ein SPOTCHEM SP-4430 sowie ein SPOTCHEM SP-1520 gekauft.

Die Fahrt von Fougamou zur neuen Aussenstelle dauert ca. 40 Minuten und wir sind gerne bereit für ein neues Abendteuer. Nach einer wilden Fahrt über Naturstrassen mit grossen Schlaglöchern erreichen wir einen komplett autonomen Neubau. Ein einfaches Gebäude mit einem grossen Labor und Büroräumen im Erdgeschoss und in der oberen Etage Wohnräume für die Angestellten. Betrieben wird das Gebäude mit einer Solaranlage und einem Dieselaggregat zur Unterstützung. Sogar ein Wasserloch wurde gebohrt um komplett unabhängig zu sein.

Der Microsemi ist für die Mitarbeitenden der Aussenstelle in Sindara ein komplett neues Gerät – eine Schulung ist entsprechend sehr willkommen. Es formiert sich eine gute Gruppe von sechs Personen und wir geben unser Wissen über das Instrument gerne weiter und unterstützen mit Unterlagen auf Französisch.

Um die erfolgreiche Schulung gebührend abzuschliessen, werden wir anschliessend zu Palmwein aus lokaler Eigenbrauerei eingeladen. Die Einladung darf auf keinen Fall abgelehnt werden, ist eine Art Ritual.

Ein weiterer spannender Einsatz in Westafrika geht zu Ende.“

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